Amazons digitales Assistenzsystem Echo sorgt mit seiner künstlichen Stimme „Alexa“ in den USA für Furore. Was ist der Grund für den Hype?

Microsoft Cortana, Apple Siri und Google Now kennen die meisten. Alle drei sind digitale, sprachgesteuerte Assistenten für den PC beziehungsweise Smartphones und Tablets. Echo ist praktisch Amazons Antwort auf die Assistenten der drei großen Betriebssystemhersteller. Die gut 24 cm lange und 7,5 cm breite Röhre ist auf den ersten Blick ein herkömmlicher Netzwerklautsprecher, der aus einem 2-Zoll-Hochtöner, einem 2,5-Zoll-Subwoofer mit Bassreflexrohr, Lautstärkeregler, Bluetooth- und WLAN-Funkmodul besteht.

Amazon Echo: Sprich mit mir!

Den Mehrwert von Echo gegenüber einem Netzwerklautsprecher bilden ein Array aus sieben Mikrofonen und die Amazon-Sprachassistenz Alexa. Sie erwacht durch den simplen Zuruf eines wählbaren Schlüsselwortes (z. B. Alexa) und wartet anschließend auf ein Sprachkommando. Benutzer von Cortana, Siri und Google Now erkennen bereits die Parallelen. Auch Alexa beantwortet auf Zuruf zum Beispiel Wissensfragen und liest die Wettervorhersage vor. Richtig interessant wird es erst, wenn die Amazon Web Services ins Spiel kommen. Dann können Sie unter anderem per Sprachkommando ihre Einkaufsliste füllen, sich an Termine erinnern, Verkehrsnachrichten vorlesen und das Licht regeln lassen. Auf Zuruf spielt Echo Musik aus der Amazon-Musikbibliothek ab und hat Zugriff auf Prime Music und einige Web-Radios.

In Echo sind ein 2-Zoll-Hochtöner, 2,5-Zoll-Subwoofer mit Bassreflexrohr, Lautstärkeregler, sieben Mikrofone, Bluetooth- und WLAN-Funkmodul eingebaut.

In Echo sind ein 2-Zoll-Hochtöner, 2,5-Zoll-Subwoofer mit Bassreflexrohr, Lautstärkeregler, sieben Mikrofone, Bluetooth- und WLAN-Funkmodul eingebaut. (Bildquelle: Amazon)

In jüngster Zeit hat Amazon Echo für einige Dritthersteller geöffnet. Dazu zählen IFTT (If this than that), Twitter, Google Drive, Gmail, Evernote und Todoist. Allein durch den Dienst IFTT, der auch zum Regeln von Smart-Home-Geräten eingesetzt wird, sind damit die Anwendungsmöglichkeiten fast grenzenlos. Auch zu anderen intelligenten Geräten von Wink, Belkin WeMo und Philips Hue ist Echo kompatibel.

Amazon Alexa: Der Teufel den ich rief?

Damit Echo – beziehungsweise Alexa – schön brav und jederzeit aufs Wort gehorcht, muss die digitale Assistenz natürlich immer zuhören. Zudem verarbeitet Echo Ihre Sprachkommandos nicht im Gerät, sondern überträgt sie in Amazons Rechenzentren – irgendwo auf der Welt. Böse Zungen könnten behaupten, dass Echo-Nutzer sich freiwillig überwachen und analysieren lassen, solange sie mit Echo im gleichen Raum sind. Amazon entgegnet jedoch, dass die Sprachanalyse erst dann stattfindet, wenn der Benutzer das Schlüsselwort ausgesprochen hat. Wer seine Privatsphäre immer noch gefährdet sieht, kann auf Knopfdruck jederzeit die Mikrofone abschalten und Echo per Smartphone oder Tablet-App steuern.

Amazon Echo gibt es bisher nur im US-amerikanischen Amazon-Shop für rund 180 US-Dollar zu kaufen. Prime-Mitglieder zahlen nur rund 100 US-Dollar. Wann Amazon Echo nach Deutschland kommen wird, ist noch nicht bekannt.

Einschätzung

Braucht die Welt noch eine digitale, sprachgesteuerte Assistenz neben Apple Siri, Google Now und Microsoft Cortana? Wenn es nur wieder eine für mobile Geräte oder den PC wäre, womöglich wäre dann die Antwort nein. Amazon Echo ist jedoch die lokale Alternative, zu deren Bedienung sie nicht erst den PC einschalten oder das Handy hervorkramen müssen. Wer möchte, für den ist der hilfreiche Geist quasi immer da – zumindest zu Hause. In Zukunft soll Echo sich sogar nach und nach immer tiefer in die Infrastruktur von Smart Homes integrieren, so dass Sie mit Sprachkommandos alles steuern können: Licht, TV, Stereoanlage, Waschmaschine und Rolläden. Alles denkbar möglich. Dass dies aber nur möglich ist, wenn Sie wieder ein Stück Privatsphäre von sich und allen anderen Hausbewohnern aufgeben, ist der Preis, den Sie dafür bezahlen.

https://www.youtube.com/watch?v=KkOCeAtKHIc
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